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Der so genannte Geheimcode

Wenn es um das Thema Arbeitszeugnisse geht, kommt immer wieder die Sprache auf das Thema Geheimcode. Diesen gibt es nicht! Was es gibt, sind Methoden der Kennzeichnung von Zeugnissen. Zahlreiche Gerichte haben entschieden, dass diese unzulässig sind. Eine solche Kennzeichnung kann aus nicht nachvollziehbaren Unterstreichungen, Punkten oder Kürzeln auf dem Zeugnis bestehen.

Des weiteren gibt es Formulierungstechniken, die eine Aussage positiv klingen lassen, ihr aber auch oder sogar vor allem einen negativen Sinn geben. Geheim sind diese Formulierungstechniken und die auf ihnen beruhenden Texte nicht, denn sie sind in der frei zugänglichen Fachliteratur zum Arbeitszeugnis nachzulesen. Zu dieser Entwicklung der Zeugnissprache ist es gekommen, weil der Aussteller eines Zeugnisses durch den Gesetzgeber und die Rechtsprechung zum Wohlwollen verpflichtet ist. Eine Zeugnisformulierung muss also immer wohlwollend sein bzw. klingen. Damit dennoch so etwas wie eine differenzierte Benotung vorgenommen werden kann, hat mein so etwas wie ein abgestuftes Wohlwollen erfunden.

Die beiden folgenden Formulierungen sind wohlwollend:

  • Ihre Arbeitsproduktivität war stets enorm hoch.
  • Arbeitsmenge und Arbeitstempo genügten im Allgemeinen unseren Erwartungen.

Die erste entspricht der Note "sehr gut", die zweite der Note "mangelhaft". Auch die Formulierung, die der Note "mangelhaft" entspricht, ist wohlwollend, da sie keine ausdrücklich negative Aussage trifft. Das Negative wird erst dann deutlich, wenn man weiß, dass das Verb "genügen" nur im Zusammenhang mit sehr schlechten Leistungsbeurteilungen verwendet wird. Zudem hat die Wendung "im Allgemeinen" eine einschränkende Funktion, man kann ihren Gebrauch auch als Hinweis darauf verstehen, dass Arbeitsmenge und -tempo nicht immer den Erwartungen entsprachen. 
Als wichtigste Techniken zur abgestuften Formulierung von Leistungsbeurteilungen nennen Weuster/Scheer ("Arbeitszeugnisse in Textbausteinen", 2002, S.35-38) folgende Kriterien:

a) Positiv-Skala-Technik (ebenda, S. 35) 

Die Positiv-Skala-Technik geht so vor, dass selbst schlechte Beurteilungen noch positiv formuliert sind. Das bedeutet für die Beurteilung guter Leistungen, dass diese besonders positiv formuliert sein müssen. Hier kann sich der Verfasser eines Zeugnisses mit der Benutzung von Temporaladverbien (stets / immer / jederzeit) und mit qualifizierenden Adjektiven (einsatzfreudig, zielstrebig etc.) behelfen. Beispiele: "Herr Schmidt hat alle seine Aufgaben stets und in jeder Hinsicht zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt." (Note: sehr gut) "Mit den Leistungen von Herrn Schmitt konnten wir insgesamt zufrieden sein." (Note: mangelhaft) Es wird auch in der Beurteilung, die der Note "mangelhaft" entspricht, immer noch ein Grad der Zufriedenheit ausgedrückt.

b) Leerstellen-Technik (ebenda, S. 36)

Die Leerstellen-Technik arbeitet mit Auslassungen zu erwartender Zeugnisbestandteile. Wenn in der Stellenbeschreibung beispielsweise von Kundenkontakten des Zeugnisempfängers gesprochen wird, kann man erwarten, dass in der Beurteilung des Sozialverhaltens etwas zum Verhalten gegenüber Kunden gesagt wird. Fehlt diese Passage im Arbeitszeugnis, darf der Lesende davon ausgehen, dass mit dem Verhalten gegenüber Kunden bzw. in der Kundenkommunikation etwas nicht gestimmt hat. Man spricht in diesem Zusammenhang von "beredtem Schweigen".

c) Reihenfolge-Technik (ebenda, S. 36)

Bei der Reihenfolge-Technik werden weniger wichtige Dinge vor wichtigen genannt. Diese Technik spielt vor allem eine Rolle in der Stellenbeschreibung.

d) Einschränkungs-Technik (ebenda, S. 36)

Hier werden einschränkende Aussagen gemacht, welche die Kompetenz eines Mitarbeiters insgesamt in Frage stellen können. Beispiel: "Bei seinen Außendiensteinsätzen zeigte er eine große Einsatzbereitschaft." Wenn diese Aussage in einem Zeugnis für einen Mitarbeiter verwendet wird, der auch umfangreiche Aufgaben im Innendienst zu erfüllen hatte und im Bezug auf diese gleichzeitig nichts zu seiner Einsatzbereitschaft gesagt wird, kann dies so gedeutet werden, dass er "große Einsatzbereitschaft" nur im Außendienst gezeigt hat, seine übrigen Aufgaben aber mit weniger großem Elan ausgeführt hat.

e) Andeutungs-Technik (ebenda, S. 36ff) 

Durch Andeutungen kann auf Mängel in der Leistung oder im Verhalten hingewiesen werden. Beispiel: "Er hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt." In der zitierten Formulierung wird durch die Wendung "im Rahmen seiner Fähigkeiten" angedeutet, dass seine Fähigkeiten stark begrenzt waren.

f) Passivierungs-Technik (ebenda, S. 37) 

Eine Häufung von Aussagen, die passiv formuliert sind, deutet auf einen Mangel an Eigeninitiative hin.

g) Knappheits-Technik (ebenda, S. 37)

Sehr kurz gehaltene Aussagen im Zeugnis können als Abwertung verstanden werden.

h) Ausführlichkeits-Technik (ebenda, S. 37)

Eine überbordende Ausführlichkeit von Zeugnisformulierungen, insbesondere Bestandteile, in denen weniger Wichtiges sehr ausführlich abgehandelt wird, können als Abwertung verstanden werden.

i) Globalformulierungs-Technik (ebenda, S. 38)

Bei dieser Technik werden nur oder zum großen Teil allgemein bekannte Zeugnisformulierungen verwendet. Individuell auf den Zeugnisempfänger bezogene Aussagen fehlen fast völlig.

j) Widerspruch-Technik (ebenda, S. 38)

Die Widerspruchs-Technik wurde verwendet, wenn in einer Passage eines Zeugnisses zwei Formulierungen zu finden sind, mit denen eine widersprüchliche Beurteilungen vorgenommen wurde. Beispiel: "Frau Schmidt war stets um eine zufriedenstellende Arbeitsweise bemüht und erledigte ihre Aufgaben stets selbstständig mit äußerster Sorgfalt und größter Genauigkeit." Der erste Teil der Satz "Frau Schmidt war stets um eine zufriedenstellende Arbeitsweise bemüht" entspricht der Note "mangelhaft", der zweite Teil "... und erledigte ihre Aufgaben stets selbstständig mit äußerster Sorgfalt und größter Genauigkeit" entspricht der Note "sehr gut". In dieser stark widersprüchlichen Form wird man eine Formulierung in einem Zeugnis allerdings seltener finden.

 

 

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